“Klar bin ich schon am Schreibtisch”

Kennen wir alle: Auf Nachfrage besorgter Eltern, ungeduldiger Auftraggeber oder anderer Leute, die ihre Nase gern in unsere Angelegenheiten stecken, geben wir uns fleißig und beschäftigt, klar bin ich schon am Schreibtisch, während die Realität eher dem Bild oben gleicht. Nur sehen die meisten von uns beim Schlafwandeln, Ausnüchtern oder Prokrastinieren selten aus wie dieses “Präraffaelitische Girl”, dessen Muße-Moment sich ebensogut perfekt ausgeleuchtet auf Instagram finden könnte. #NoFilter #MorningMood #LazyDay

Für alle, die mit dieser Art feinen Humors ebensoviel anfangen können wie mit der Verbindung aus knappen Textstücken und üppig-schwelgerischen Bildern, erscheint diese Woche “Präraffaelitische Girls erklären das Internet”. Sprachlich ein wilder Mix aus Influencer-Slang und Akademiker-Jargon, visuell eine einzige Augenweide – wenn man präraffelitische Malerei mag – entsteht hier aus der Spannung vermeintlicher Gegensätze eine gefühlte Wahrheit, die immer wieder hämisch und wissend schmunzeln lässt, denn wir fühlen alle mit Millais’ Ophelia, wenn wir die Gedanken der im Wasser treibenden tragischen Schönheit lesen können:

“Sie hatte wieder mal vergessen, dass es im Netz keine rhetorischen Fragen gab”

Das Prinzip ist nicht ganz neu; in den sozialen Netzwerken gibt es viele wunderbare Accounts zu entdecken, die mit Kunst oder Literatur spielen, sie verfremden, benutzen und mit ganz heutigen, alltäglichen Beobachtungen und Erkenntnissen aufladen. Da wären zum Beispiel Chaucer doth tweet, WTFrenaissance oder Classical Art Memes. Aber nun schafft das Netzphänomen es auch ins gedruckte Buch.

Und da die “Präraffaelitischen Girls” am 14. Februar erscheinen, könnt ihr Jungs das schicke Buch eurer Liebsten gleich mal zum Valentinstag schenken. Hält länger als Blumen und Schokolade.

Noch kurz zum Hintergrund: Präraffaelitische Girls erklären das Internet, kurz #PGedI, ist ein weiteres Wunderwerk aus dem Frohmann Verlag, der nach eigener Aussage “Titel zu Literatur und Ästhetik im Wandel sowie zu drängenden gesellschaftlichen Fragen” verlegt. Vor allem aber besitzt Christiane Frohmann eine Affinität zum Digitalen, zur Vernetzung und zum Internet, die weit über die hierzulande übliche Neuland-Ängstlichkeit hinausgeht. Ein Blick ins Verlagsprogramm lohnt sich daher immer.