Ein vollgepackter Saal, Standing Ovations schon beim Eintritt, ein echtes Phänomen: Gestern Abend hat Bruce Dickinson, Frontmann der legendären Metalband Iron Maiden, seine Autobiographie im Studio des Admiralspalasts vorgestellt. Er las vor, erzählte Geschichten, bot ganz nebenbei eine Aufklärungsstunde über humane Papillomviren und Krebs, begleitete die von Schauspieler Gerd Köster gelesenen Passagen aus der deutschen Übersetzung des Buches mit Gesten und Erläuterungen, und ließ sich von Radio-Eins-Musikchefin Anja Caspary interviewen.

Das Studio im vierten Stock bot mit seiner stadionähnlichen Tribüne den passenden Rahmen für diese kurzweilige Show, bei der sicher die Hälfte des Publikums stilecht in Iron-Maiden-T-Shirts gekleidet waren und alle begeistert dem selbstironischen Mann lauschten, der Sätze von sich gab wie:

“Everything in my life is a small boy’s dream.”

Und die Episoden, um die es an diesem Abend ging, reichten von launigen Erinnerungen an die peinliche Übelkeit nach zu vielen Joints, den Streit mit seinem Bassisten um den besten Platz auf der Bühne, eine wildgewordene Tour in einem “gestohlenen” Van mit Plastikgans auf dem Dach, bis hin zu weniger erfreulichen Erfahrungen, vor allem mit dem Krebs, dessen Kränkungen Dickinson in anschaulicher Detailliertheit und Offenheit beschreibt. Der Schalk, mit dem er sich grinsend daran erinnert, wie er einst auf der Schule absichtlich schlecht gesungen hat, um nicht in den Chor aufgenommen zu werden und “jeden Sonntag mit Pädophilen verbringen zu müssen”, hat ihm offenbar auch dabei geholfen, die Krankheit durchzustehen, die an Schlägen unter die Gürtellinie nicht spart.

Der einzige Wermutstropfen an diesem wirklich coolen und informativen Abend war das Interview, das Anja Caspary mit Dickinson führte, denn die Musikchefin wirkte unsicher, nur bedingt vorbereitet, und ihr Englisch ist auch nicht das Beste. Die Fragen waren zum Teil befremdlich, aber der gewiefte Entertainer Dickinson antwortete verschmitzt und ließ sich nicht aus dem Flow bringen.

Das Buch ist erst vorgestern bei Heyne Hardcore auf Deutsch erschienen, hat 448 Seiten und kostet 22 Euro. (Das englische Original erschien bei Harper Collins). Lohnt sich ganz sicher!