Jochen Distelmeyer, Frontman der Band Blumfeld ist seit Beginn der Neunziger dabei, die Musikszene aufzumischen. Letztes Jahr veröffentlichte er seinen Debütroman “Otis” und ging auf Lesereise.

Dort hat Jochen Distelmeyer sein Publikum auch mit einer Live-Performance seiner Lieblingslieder begeistert. Die Fans wollten mehr und nun ist das Akustikalbum “Songs from the Bottom Vol. 1” erschienen, auf dem zwölf englische Cover-Versions aller Couleur zu hören sind.

Von Britney Spears über Lana Del Rey und The Verves bis hin zu Kris Kristofferson, Al Green, Avicii, Joni Mitchell und Radiohead schlägt der Ausnahmekünstler die Hörerschaft mit einem ganz eigenen Distelmeyer-Sound in seinen Bann.

Am 11. Mai spielt Distelmeyer ein Konzet in Berlin im Bi Nuu

Wir verlosen Karten – mailt uns einfach oder hinterlasst einen Kommentar. Und zur Einstimmung gibt es das:

All Tomorrows Parties Interview mit Jochen Distelmeyer

All Tomorrows Parties: Im Februar ist dein neues Album erschienen, auf dem du das erste Mal auf englisch singst, und andere Bands coverst. Wie kam’s?

Jochen Distelmeyer: Ich hatte ja schon zu Blumfeld-Zeiten und später auch solo immer mal wieder Coversongs gespielt und aufgenommen. Aber immer nur vereinzelt, als B-Seiten. Ein ganzes Album stand nie zur Debatte. Das hat sich dann auf der Lesereise zu „Otis“ im vergangenen Jahr geändert. Ich hab da immer auch Musik in die Lesungen eingeflochten, Coverversionen von „Pyramid Song“ von Radiohead und „Toxic“ von Britney Spears. Das Publikum hat dann regelmäßig gefragt, ob die Stücke nicht irgendwo erhältlich seien und ich dachte: Warum eigentlich nicht?

All Tomorrows Parties: Und wie hast du die Lieder, die du auf “Songs from the Bottom” coverst, ausgesucht?

Jochen Distelmeyer: Es gab erstmal die Stücke von den Lesungen, die mit dem Roman und seiner Geschichte einer modernen Odyssee zu tun hatten. Dazu hab ich einfach Lieblingssongs von mir ausgewählt. Lieder wie Joni Mitchells “Just like this train” und andere, die für mich beispielhaft sind für gutes Songwriting.

“Das sind Songs, in denen ich mich wiederfinden kann”

All Tomorrows Parties: Du hast dich immer auch politisch engagiert. Glaubst du, dass man eine Verantwortung als Künstler hat und die eigene Reichweite politisch nutzen muss?

Jochen Distelmeyer: Als Künstler hat man erstmal die Verantwortung gute Kunst zu machen. Das bedeutet für mich, sich Klarheit darüber zu verschaffen, wer man ist und was man will und das immer auch in Beziehung zu dem zu sehen, was um eine herum passiert. Im Kleinen und im Großen. Politisch engagiert hab ich mich als Privatperson, weil es für mich zur Demokratie gehört, sich zu artikulieren und Position zu beziehen.

All Tomorrows Parties: Den Mund aufzumachen ist in der Flüchtlingskrise wichtiger denn je – wie gehst Du mit diesem Thema um?

Jochen Distelmeyer Portrait, stehendJochen Distelmeyer:  Indem ich mich dazu äußere. Schon mit “Otis”, meinem Roman hab ich das getan. Den Mittelmeerirrfahrer Odysseus hab ich als Flüchtling und Kriegsheimkehrer beschrieben.

“Die sog. “Flüchtlingkrise” ist eher eine Krise der deutsch-europäischen Einwanderungspolitik”

Als Folge der jahrzehntelangen Leugnung von Deutschland als Einwanderungsland und chronischen Unterfinanzierung von Integrations – und Bildungseinrichungen. Die verheerende Situation, die wir jetzt erleben und an Stelle der politisch Verantwortlichen auszubaden haben, ist das Ergebnis der planlosen Imagepolitik der Merkelregierung, die jetzt mit jemandem wie Erdogan paktiert, um sich die Flüchtlinge vom zu Hals halten und ein gespaltenes Europa zur Festung auszubauen.

All Tomorrows Parties: Du bist Musiker und Schriftsteller – zwei Seiten der selben Medaille oder ganz unterschiedliche Ventile kreativen Schaffens?

Jochen Distelmeyer:

“Schriftsteller? Gott bewahre, das ist mir viel zu verklemmt”

Ich bin ein Sänger, der ein Buch geschrieben hat. “Otis” ist für mich eher ein sehr langer Song oder Gesang.

All Tomorrows Parties: Mit Blumfeld warst Du bereits seit den Neunzigern erfolgreich unterwegs. Wenn du die Musikbranche in den letzten 20 Jahren anguckst, denkst Du an Krise oder Chance?

Jochen Distelmeyer:  Weder noch.

“Das Bedürfnis nach Musik ist derzeit so groß wie noch nie”

Sie ist überall und wird, glaub ich, wirklich gebraucht. Das Problem ist nur, dass die Leute, die sie herstellen in der Regel unterbezahlt sind. Das war aber bei Künstlern immer schon so. Wer Kunst wegen der Kohle macht, sollte die Finger davon lassen. Das meiste, was große Gewinne einspielt, ist das Geld nicht wert.

All Tomorrows Parties: Und hast Du noch einen Tipp für Musik- und Schreib-Rookies? Vielleicht einen Fehler, den du selbst nie wieder machen würdest?

Jochen Distelmeyer: Go your own way.

Vielen Dank für das Interview!

Jochen Diestelmeyer spielt am 11.05.2016 im BI NUU! Wir verlosen 1×2 Freikarten.

Wer Tickets gewinnen möchte mailt uns gern oder hinterlässt einen Kommentar

Bi Nuu
U-Bahnhof Schlesisches Tor
10997 Berlin
Interview: Mia Morris | Fotos: Sven Sindt